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Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an. 11. Juli 2009

Filed under: Glauben — neferati2008 @ 16:13
Liebe Blogfreunde,
in meiner evangelischen Kirchengemeinde bin ich ehrenamtlich aktiv.
Ab und an schreibe ich auch mal einen Artikel für unser Gemeindeblatt oder halte Andachten oder Gottesdienste im Seniorenheim als Lektorin.
Diese Arbeiten möchte ich in meinem Blog mit Euch teilen.
 

 

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.

 

Liebe Gemeindeglieder,

gerne würde ich jetzt wissen, woran Sie in dem Augenblick denken werden, wenn Sie diesen Spruch aus dem 1. Buch Samuel, Kap. 16 lesen. Wird es Ihnen ergehen wie mir, die ich weniger an Samuel, Saul und David aber sofort an die wunderschöne Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry „Der Kleine Prinz“ dachte? Darin gibt es den sehr bekannten und beliebten Ausspruch des Fuchses, der zu dem kleinen Prinzen sagt: „Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

 

Wie oft schon ist uns dieser Ausspruch begegnet, wie oft schon ging er uns selbst durch den Kopf. Es ist nicht nur ein schöner, sondern auch ein aktueller Spruch. Wir Menschen haben eine tiefe Sehnsucht danach in einer Welt zu leben, in der es nicht nur um Technik, Fortschritt und Leistung, um Äußerliches, Verstandesmäßiges geht, wir wollen die Stimme des Herzens, die Phantasie, das Gefühl viel mehr spüren. Aber wie können wir das?

 

Romantische Filme und Romane sind Kassenschlager in Kinos und Buchläden. Auch das ist ein Zeichen, dass wir ein Bedürfnis nach mehr Herz haben, wenn schon unsere reale Welt so von Problemen belastet ist, dass wir oft nicht damit fertig werden. Und um nicht daran zu verzweifeln, versuchen wir alles mit dem Verstand zu fassen, sperren die eigenen Gefühle fest aus und fliehen in eine Traumwelt aus bunten Kinobildern, schillernden Fernsehsoaps und strahlenden Romanhelden.

 

Das Ganze hat aber einen sehr negativen Aspekt. Lassen wir uns nicht allzu schnell Meinungen überstülpen? Nehmen wir Urteile und Auffassungen nicht oft allzu gern kritiklos aus irgendwelchen Fernsehsendungen oder Zeitungsartikeln? Und wie schnell wirkt sich diese Kritiklosigkeit, dieses „Nicht selbst Denken“ auf uns aus? Wie schnell urteilen wir dann in einer Weise, die wir selbst nicht erleben möchten? Wie schauen wir?

 

"Der Mensch sieht, was vor Augen ist." Dieser Teil der Monatslosung für den September ist eine Feststellung, aber auch eine Kritik an uns: Bitte, seid etwas vorsichtiger mit euren Urteilen!

 

Obwohl wir oft nur wenig von anderen wissen, sind wir schnell mit unseren Meinungen. Wir kennen den neuen Arbeitskollegen nicht, die Nachbarin oder den Mitschüler und haben schon unser Urteil gefällt. Dann kommen die Schubladen: Das ist ein Angeber! Die hält sich für was Besseres! Der trinkt

bestimmt, ­na ja, kein Wunder, sein Vater war auch schon Alkoholiker! Was hat die denn für

einen Geschmack? Die kauft ihre Hosen wohl im Baumarkt! Manchmal reicht uns auch schon, was wir über andere gehört haben. Wir brauchen nicht viel um unser Urteil über andere zu fällen.

 

Wissen wir denn, was dieser Mensch erlebt hat? Wissen wir, warum der Mann dort heute obdachlos ist und diese Frau dort schon so lange arbeitslos? Haben wir nach ihrem Leben gefragt? Vielleicht würden wir, wenn wir es täten lernen, dass eine Frau, die immer auf sich selbst gestellt war und nach 30 Jahren arbeitslos wurde viel mehr leistet, wenn sie auch in ihrer jetzigen Armut noch ihre Würde behält, als ein junger Mann, der alle Möglichkeiten zur Karriere hatte und nun seinem Team die Normen diktiert und meint vor lauter Arbeit keine Zeit mehr für seine Mitmenschen zu haben.

 

Schaut tiefer! Seid vorsichtig, damit ihr nicht andere mit einem vorschnellen Urteil verletzt, damit ihr nicht Gott verletzt.

 

"Der Herr aber sieht das Herz an." Gott sieht tiefer. Er kennt uns, schaut auf das, was in uns vorgeht. Auf das, was wir fühlen, was wir können, was wir wollen. "Der Herr aber sieht das Herz an." Das Herz, das ist unser Ich, hinter allen Fassaden und Schutzmauern. Dort sind wir echt.

 

So enthält die Septemberlosung das ganze Evangelium von der Liebe Gottes: "Hab keine Angst: Gott weiß, wie es in dir aussieht. Er sieht dein Herz an!" Er weiß, dass wir manchmal etwas Gutes wollten, aber etwas Mittelmäßiges oder Schlechtes dabei herauskam. Wir wollten jemanden trösten, aber wir haben nicht die richtigen Worte gefunden. Wir wollten jemanden besuchen, aber es gab so viel zu tun. Wir wollten Gott vertrauen, aber da waren so viele Zweifel.

 

Doch Gott schaut nicht zuerst auf das Ergebnis. Er sieht unsere Absicht. "Er sieht unser Herz an."

Das ist gut zu wissen. Nehmen wir das als Trost, aber auch als Ansporn für unser Handeln.

 

Amen

 

 

 

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