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Die Tochter der Himmelsscheibe von Wolfgang Hohlbein 9. November 2009

Filed under: Bücher — neferati2008 @ 19:07

 

 

 

Liebe Freunde, heute hab ich wieder mal eine Buchempfehlung für Euch. Wie schon aus dem Titel zu entnehmen ist, handelt es sich um ein Buch mit historischem Hintergrund. Da diese Zeit schwer zu recherchieren ist, finden wir auch eine gute Portion Fantasie darin. Das tut der Handlungsspannung aber keinen Abbruch, da Hohlbein ein Meister dieser Literaturform ist. Trotz der sicher hohen Fantasieanteile, ist die Zeit, in der das Buch handelt, entsprechend dem heutigen Wissensstand gut nachempfunden. Man fühlt sich hineinversetzt in das Leben von Mutter und Tochter in einem Dorf, das von einem Hohepriester und seinem Obersten beherrscht wird. Arri und ihre Mutter werden als Flüchtlinge in einem Pfahldorf aufgenommen. Sie bringen den Bewohnern großen Segen in der Entwicklung, da Arris Mutter hohe Heilungskenntnisse und das Wissen um die Natur hat. Aber sie hat auch ein “Zauberschwert”, auf das die Männer des Dorfes, vor allem der Priester ein Auge geworfen hat. Auch die vermeintlichen Geheimnisse, die Arris Mutter kennt, wecken Begehrlichkeiten. So wächst schnell ein gefährlicher Konflikt heran.

Es stellt sich die Frage, ob man einem weniger entwickelten Volk den Segen des Wissens bringen kann, um dann, wenn die Zeit gekommen ist, einfach wieder zu gehen. Hier liegt der eigentliche Konflikt, den die Mutter mit ihrem Handeln heraufbeschwört. Man ist allerdings ständig geneigt, auf der Seite der Mutter und Tochter zu stehen. Aber die Frage bleibt offen……. Alles in Allem haben wir hier ein sehr lesenswertes Buch vor uns, das auch für Anspruchsvolle viel zu bieten hat. Ich habe in einer Kritik gelesen, die Dialoge zwischen Mutter und Tochter lassen Vieles offen, sodass der Leser sich selbst Gedanken machen muss. Ist es nicht genau das, was wir in Büchern suchen? – Inspiration und Anregung? Hohlbein beschreibt – wie immer sehr ausführlich, das ist er nun mal – die Gefühlsregungen und Gedanken, gerade aus Sicht der Tochter. Sie wächst heran und sieht ihre eigene Veränderung mit Staunen, aber auch mit wachsender Skepsis der Mutter gegenüber. Die Mutter ist recht verschlossen und gewiss auch arrogant, ohne es vielleicht wirklich zu wollen. Das macht sie nicht gerade beliebt im Dorf und weckt auch bei der Tochter Fragen. Diese sieht sich in einem wachsenden Konflikt, da sie im Dorf aufgewachsen ist und die großen Unterschiede nicht nachvollziehen kann. Sie sieht sich selbst eher als “anders” im negativen Sinne.

Natürlich handelt es sich bei der Himmelsscheibe um die Scheibe von Nebra, deren Geschichte fast jedem in Deutschland bekannt sein dürfte, da sie durch die Medien ging. Ich las das Buch begierig, da Nebra nahe meinem Heimatdorf liegt. Allerdings gibt es keinen Bezug zur Himmlsscheibe und das ist vom Autor so gewollt. Er sagt, er bleibt ein Schreiber fantastischer Stoffe und die Handlung liege auch weit vor der Zeit der Scheibe.

Hier stellt sich mir nun die Frage, ob das Cover und der Titel dann nicht nur ein Kassenreißer sein sollten? Zwar spielt eine ähnliche Scheibe eine Rolle in dem Buch, aber sie bezieht sich nicht auf den wirklichen Fundort. Auch der Name des siebentausend Jahre alten Heiligtums Goseck wird verändert in "Goseg". Nun, ich war ihm nicht böse deswegen, regte das Buch doch meine Fantasie an.

Hohlbein verspricht in seinem Nachwort weitere Teile dieser Saga, auf die ich gespannt bin. Allerdings liegt Teil 1 ja schon 5 Jahre zurück. Ich habe auf der Website nachgefragt, ob mit Teil 2 zu rechnen ist. Leider ist es ja nicht sicher, da es schon um das 1. Buch Streit gab. Siehe hier: http://www.hohlbein.net/de/bg/_main/2005_01.htm

Und hier finden wir ein Interview mit dem Autor: Interview mit Wolfgang Hohlbein